Ein Winterprojekt, was beendet war bevor der Winter begann!
Man(n) hat ein neues Hobby!
Seit 2 Jahren Gitarre spielen lernen und zwar aus der absoluten Unwissenheit heraus. Einfach weil´s toll ist und ich mal wieder was für die Birne machen wollte. Quasi eine neue Fertigkeit erlernen. So "technisch" habe ich das erstmal gesehen.
Allerdings kommt mit der Fertigkeit Saiten anzuschlagen und verschiedene Töne zu entlocken auch eine geballte Menge an musiktheoretischem Wissen dazu, was nicht der Plan war, aber ein zusätzliches neues Universum eröffnet. Aber das ist eine ganz andere Geschichte...
Was die Sache aber auch mit sich bringt, ist die Beschäftigung mit dem Equipment, nämlich akustische- und elektrische Gitarren. Auch hier kann (und wird) sich ein Universum öffnen. Und darum soll es heute gehen:
Mein Plan war es nämlich, eine Gitarre selbst zu bauen. Da aber "alles" selbst bauen (noch) eine Schnapsidee ist, sollte für die ersten Gehversuche ein Gitarrenbausatz her. So ein Ding müsste doch ausreichen um die Grundsätzlichkeiten des Gitarrenbau´s zu verstehen.
Anmerkung des Autors: Das hier ist keine Bauanleitung!
Zugegeben war ich während meiner Selbsterfahrung immer wieder auf der Suche nach Tipps und Lösungen, und die gibt es zu genüge. Diverse Foren beschäftigen sich mit nichts anderem und auf Youtube gibt´s einige gute HowTo-Videos.
Und los geht´s.
Gitarrenbausatz via Amazon bestellt. Ich habe einen Telecaster-Bausatz von Rocktile genommen. Tutti-kompletti mit allem drum und dran für rund 90€. Ich weiß, 90€ für eine Gitarre, selbst wenn man die Arbeitsstunden abzieht, kann nichts Gutes sein. Ist es auch nicht, aber darum geht´s erstmal nicht, weil der Plan war, eine Bastelgitarre zu haben, bei der man keine Skrupel haben muss, dran rumzuschrauben.
Dann kam das Paket und mir der Gedanken, dass man ja auch einen kleinen Arbeitsplatz braucht, auf dem Küchentisch liegen lassen gibt nur Ärger. Und eine Werkzeuggrundausstattung wäre auch nicht schlecht. Lötkolben, Schleifpapier, und ach ja irgendwas zur farblichen Gestaltung. Den Rest müsste ich eigentlich im Schuppen haben.
Jetzt geht´s aber wirklich los.
...und zwar mit lesen. Aufbauanleitung (unerwartet guter erster Überblick was auf einen so zukommt), Buch über Gitarrenbau (von Martin Koch) und guitar basics von PPV Medien. Theoretisch ist also alles sonnenklar, aber womit fange ich jetzt an?
Richtig, mit schleifen. Gott sei Dank, sind Body und Hals schon sehr gut vorgeschliffen, allerdings noch weit vom beschriebenen lackierfertigen Zustand entfernt.
3 mal wässern und 180er bzw. 240er Papier später fühlen wir einen Babypopo. Sehr schön.
Next ...
Body zur Seite legen und Hals bearbeiten. Die Kopfplatte sieht aus wie ein Paddel und muss in Form gebracht werden. Ich entscheide mich für eine klassische Kopfform (Quatsch..., einfach gerade abgesägt, weil ich für geschwungenen Formen keinen Nerv und kein geeignetes Werkzeug habe). Alles schön schleifen und abrunden.
Ergebnis: der Wahnsinn. Sehr professionelle, handschmeichelnde Oberfläche. Hochzufrieden!
Jetzt noch schnell die Stimmmechaniken einbauen. Kein Thema, weil alles vorgebohrt ist.
Letzter Arbeitsgang für den Hals ist Griffbrett ölen. Also Griffbrettöl drauf und Hals beiseite legen.
Wenn alles so gut läuft wie hierbei, wird´s ein Spaziergang (sollte aber nicht so kommen).
So, wollen wir uns mal um die eigentliche Gestaltung kümmern, nämlich um die farbliche. In meinen Kopf schwirrte schon länger Grün herum. Dunkles Grün, am besten mit Sunburst-Effekt (darf man eigentlich bei dieser Farbkombination von Sunburst sprechen?).
Rückseite Schwarz oder Weiß. Lackieren mit Dose ist aber für´s erste mal auch nicht so dolle.
Aber es gibt farbige Holzbeize (von Clou). In Dunkelgrün und Schwarz, zum anmischen in Wasser. Klingt easy. Also angemischt und die Rückseite mit Schwarz vollgeknallt. Danach die Vorderseite mit Dunkelgrün. Um den Sunburst-Effekt hinzukriegen, mit Wasser verdünntes Schwarz von außen ins Grün reiben. Nach dem trocknen sieht das Ganze aus wie gewollt. Nicht schlecht. Nochmal sehr fein drüberschleifen und der Body ist so weit.Anmerkung: Auf der Rückseite und an einer Stelle auf der Vorderseite hat die Oberfläche keine Beize angenommen. Wahrscheinlich fettige Oberfläche. Wurde durch schleifen nicht besser. War also meine Möglichkeit mich an einer Stelle am künstliches "Aging" zu versuchen. Naja, sagen wir es so: auch darin kann man Künstler sein. Wer weiß schon, wie genau eine abgegrabbelte Gitarre aussieht.
Fehlt noch der matte Klarlack, wie ich mir überlegt hatte. So hat die Schönheit eine natürlich wirkende Oberfläche. Sprühdose, 2 Lagen, längs und quer, kurz überpoliert, fertig.
Zwischenfazit: Hals (geölt/gewachst) fertig, Body (farbig gebeizt und versiegelt) fertig.
Dann wird´s jetzt langsam spannend. Als nächstes Einzelteil nehme ich mir also das Schlagbrett vor. Das Tele-typische mit Chromblende für Schalter und Poti´s fand ich schon immer unpassend, und ein Schlagbrett-Rohling kostet nicht die Welt. Ein cremefarbenes sollte doch gut passen. Eine schlichte Form, welche die nötigen Ausfräsungen verdeckt, war schnell gefunden. Ausschneiden und in Form schleifen allerdings nicht so. Mangels passendes Werkzeug ziemlicher Fummelkram. Löcher für die Potis gebohrt und Schlitz für den Schalter gesägt. Nächstes Teil fertig.Wie macht man jetzt am klügsten weiter? Hals einschrauben und dann Elektrik oder erst Elektrik und dann alles zusammenschrauben und Saiten drauf?
Ich hab mich für 2teres entschieden. Warum? Keine Ahnung, wahrscheinlich auch egal wie rum. Also Lötkolben heiß machen und...
Scheiße, welches Kabel muss wo hin? Toll, warum steht ausgerechnet dazu nichts in der Anleitung? Typisch, war klar, wer hat da wieder gepennt!
Tele-Schaltpläne aus dem Netz bringen auch keinen weiter (50th/60th Schaltung? Texas Special Schaltung? Deluxe Nashville Schaltung?) Aber, Youtube bringt einen weiter, denn hier wird´s ansatzweise gezeigt. Eigentlich nicht schwer, aber für einen Schaltplan-Legastheniker eine Herausforderung. Und weil eine Herausforderung (man darf hier auch von Problem sprechen) nicht genug ist, kommt das löten auch noch dazu. Eigentlich auch nicht so schwer, allerdings bin ich mir bis heute nicht so sicher, ob der Kolben oder das Zinn oder beides für´n Arsch ist.
Am Ende hat´s irgendwie geklappt. Die Pickup´s haben in die Fräsungen gepasst, die Kabel waren lang genug, die Lötstellen halten bis jetzt und ein erster schneller Test hat ergeben, das eine schwingende Saite einen Ton an den Verstärker schickt. Also, allet schick!
Kommen wir also zur Summe der einzelnen Teile und damit zum finalen Zusammenbau.
Um jetzt auch von einer Gitarre im eigentlichen Sinne sprechen zu können, wird der Hals teletypisch an den Body geschraubt. Wow, es ist tatsächlich eine Gitarre geworden...
Jetzt folgt das, wofür ich den ganzen Aufwand überhaupt getrieben habe. Saiten rauf, mit Halskrümmung und Saitenhöhe rumspielen und Intonation einstellen. Herrlich beruhigender Fummelkram mit dem Ergebnis einer leidlich gut eingestellten, bespielbaren Gitarre.Leidlich, weil auch nach mehrfacher Halswinkeloptimierung keine wirklich gute Saitenlage zu bewerkstelligen ist und auch 1-2 schnarrende Deadspots zu finden sind. Das geht auch noch besser!
Und nun, Fertig?
Ging ja doch viel schneller als ich gedacht habe. Ich weiß aber auch schon was ich als nächstes mache. Auf jeden Fall werde ich das Schlagbrett nochmal anständig machen und ggf. die Form anpassen. Die Schaltung werde ich auch anfassen müssen, da eine Verbindung für den Parallelbetrieb der Pickup´s fehlt. Die Sache mit dem Hals und der Saitenlage ärgert mich auch noch. Ein Logo für die Kopfplatte fehlt auch. Irgendwann werde ich auch noch die Mechaniken und die Brücke tauschen. Und den Sattel schaue ich mir auch genauer an. Und die Potiknöpfe passen auch überhaupt nicht zum Style. Vielleicht sollte man wenn alles passt, mit den Pickup´s experimentieren?Fazit: Es ist noch genug Winter übrig!


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